{"id":91,"date":"2016-09-30T14:12:50","date_gmt":"2016-09-30T12:12:50","guid":{"rendered":"https:\/\/nursonaja.de\/?p=91"},"modified":"2020-12-23T19:51:16","modified_gmt":"2020-12-23T18:51:16","slug":"estnischunterricht-gesungen-laulukoor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nursonaja.de\/index.php\/2016\/09\/30\/estnischunterricht-gesungen-laulukoor\/","title":{"rendered":"Estnischunterricht, gesungen &#8211; laulukoor"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\">\n\t<!-- @page { margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --><br \/>\n\t<\/style>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich erz\u00e4hle, dass ich einem estnischen Chor beigetreten bin, ziehen die meisten Leute die falschen Schl\u00fcsse. &#8220;Oh, du kannst also singen?&#8221; Nein, kann ich nicht. Zumindest kann ich nicht richtig Noten lesen und auch keine Tonleitern singen. Und im Texte merken bin ich auch nicht sonderlich gut. Aber ich dachte, das f\u00e4llt in einem Chor vielleicht weniger auf.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass aus der Idee, in den Chor zu gehen, tats\u00e4chlich Realit\u00e4t wurde, ist vermutlich eine der mutigsten Entscheidungen meines Lebens. Vor allem will ich herausfinden, ob EstInnen wirklich so viel, gerne und sch\u00f6n singen k\u00f6nnen und \u00fcber estnische Texte die Sprache lernen. So weit so gut. Der Gedanke, daf\u00fcr ein Casting zu \u00fcberstehen und alleine vorzusingen gef\u00e4llt mir aber gar nicht. Zum Gl\u00fcck begleitet mich eine Freundin und beim Aufw\u00e4rmen in der Gruppe klingen unsere Stimmen gar nicht so schlecht. Ich schaffe es &#8220;Riiioriiioooriii&#8221; in verschiedensten Tonlagen zu singen. Der Chorleiter meint, dass es schwierig f\u00fcr mich werden k\u00f6nnte und ich bin mir nicht sicher, ob er mein geringes Talent oder die Sprachbarriere meint. Ich erz\u00e4hle, dass ich schon seit einem halben Jahr Estnisch lerne und den Chor auch als Sprach\u00fcbung sehe. Er freut sich und ich darf beim n\u00e4chsten Mal wiederkommen.<\/p>\n<p><strong>Geliebtes Vaterland<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht hat er mich ein wenig zu ernst genommen. Bei der ersten richtigen Chorprobe f\u00e4llt die Begr\u00fc\u00dfung noch zweisprachig aus. Dann sieht er mich an. &#8220;This will be your lesson in Estonian today.&#8221; Seine letzten Worte auf Englisch. Herausforderung angenommen. Meistens gen\u00fcgt es, einfach nachzusingen und ein bisschen auf die Mundbewegungen des Chorleiters zu achten. Ich verstehe, wenn er &#8220;V\u00e4ga h\u00e4sti&#8221; oder &#8220;V\u00e4ga tubli&#8221; sagt (Sehr gut, sehr sch\u00f6n), aber seine Kritik verstehe ich nicht. Die Estin neben mir \u00fcbersetzt das Wichtigste f\u00fcr mich. &#8220;That&#8217;s fun!&#8221;, fl\u00fcstere ich ihr zu. &#8220;That&#8217;s easy!&#8221;, erwidert sie. Kein Wunder, sie klingt wie eine Operns\u00e4ngerin. Nach einem lateinischen Studentenlied und einer mittelalterlichen, britischen Ballade, wartet dann endlich ein estnisches Lied auf uns. Als Einzige bekomme ich ein Notenheft in die Hand gedr\u00fcckt. Meine KommilitonInnen k\u00f6nnen ihre eigene Nationalhymne schlie\u00dflich ausw\u00e4ndig. Was f\u00fcr ein unwirkliches Gef\u00fchl als einzige Ausl\u00e4nderin einen Text \u00fcber die Sch\u00f6nheit &#8220;meines&#8221; Vaterlandes mitzuschmettern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8220;Ei leia mina iial teal<br \/>\nsee suure, laia ilma peal,<br \/>\nmis mul nii armas oleks ka,<br \/>\nkui sa, mu isamaa!&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8220;Ich finde nichts<br \/>\nauf dieser gro\u00dfen weiten Welt,<br \/>\nwas mir so lieb auch w\u00e4re,<br \/>\nwie Du, mein Vaterland!&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Hause versuche ich den Text zu lernen, um beim n\u00e4chsten Mal ein St\u00fcckchen mehr dazuzugeh\u00f6ren. Viele YouTube Videos sp\u00e4ter kann ich immerhin zwei von drei Strophen einigerma\u00dfen. Der erhoffte Auftritt als Pseudo-Estin bleibt mir leider verw\u00e4hrt. Offenbar ist es nicht n\u00f6tig, die Nationalhymne noch einmal zu proben, wenn alle sie schon k\u00f6nnen. Au\u00dfer mir.<\/p>\n<p><strong>&#8220;Those two&#8221;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von unserem ersten Auftritt erfahre ich dank meiner pers\u00f6nlichen Chor-Dolmetscherin drei Tage vorher. Viel Text lernen muss ich nicht mehr. In den beiden ausgew\u00e4hlten Liedern singt unsere Altstimme vor allem &#8220;\u00d6h\u00f6h\u00f6\u00f6\u00f6h, \u00f6h\u00f6h\u00f6\u00f6\u00f6h&#8221; und &#8220;Tabutabutabutabu&#8221;. F\u00fcr mein Musikged\u00e4chtnis w\u00e4re es einfacher gewesen, ein wenig Text mit den Tonh\u00f6hen verkn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen. So muss ich mich an den anderen Altstimmen orientieren und kann von Mal zu Mal ein bisschen lauter und mutiger singen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam mit der zweiten Deutschen im Chor suche ich nach passenden Kleidungsst\u00fccken um den Dresscode (Black) zu erf\u00fcllen. Klingt elegant. Ist es auch. Wir treten vor einem Kongress der Uni auf. In der riesigen Museumshalle des &#8220;Seaplane Harbour&#8221;, umgeben von alten U-Booten und Schiffsschrauben. Unsere B\u00fchne ist zwischen edel eingedeckten Tischen und den Relikten eines Schiffwracks aufgebaut. Wirklich integriert sind wir beiden noch nicht in den estnischen Chor. Au\u00dfer unseren Dolmetscherinnen gibt sich niemand M\u00fche in der Gruppe auf Englisch zu reden. Ist ihnen die Episode im Ged\u00e4chtnis geblieben, als wir aus Versehen &#8220;Mamma Mia&#8221; in Sopran gesungen haben und nicht in Alt? Oder wissen sie gar nicht mehr, dass wir sie nicht verstehen? Wie der Junge, der kurz auf uns zu kommt und etwas auf Estnisch fragt. Als wir ihn verwirrt ansehen, wird er rot und sagt nur: &#8220;Ahh, you are those two from the beginning&#8221; und dreht sich schnell zu seinen Freunden um.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-92 size-large\" src=\"https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-700x525.jpg\" alt=\"img_20160929_202131\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-700x525.jpg 700w, https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-300x225.jpg 300w, https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-768x576.jpg 768w, https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-800x600.jpg 800w, https:\/\/nursonaja.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/IMG_20160929_202131-80x60.jpg 80w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz kurz vor dem Auftritt habe ich Angst, meine wenigen Silben zu vergessen. Es passiert nicht. Genauso wenig singe ich f\u00fcr alle h\u00f6rbar einen viel zu lauten falschen Ton. Zwischen den beiden St\u00fccken stimmen sechs KommilitonInnen ein harmonisches A-Capella Lied an. Ich bin mir sicher, dass sie alle schon viele Jahre Gesangsunterricht und Chorerfahrung hinter sich haben. Fast ein Wunder, dass keiner versucht hat, uns aus dem Chor zu schmei\u00dfen. Nach dem Singen gibt es f\u00fcr alle Schokokekse mit Marmelade. Die Dirigentin des Chores und die Kommunikationsbeauftragte der Uni(?) \u00fcbersch\u00fctten uns mit Lob. Zumindest sieht man ihnen die Freude an, h\u00f6rt es an ihrem Tonfall und ich kann &#8220;H\u00e4sti, v\u00e4ga h\u00e4sti&#8221; verstehen. Als meine deutsche Freundin zum Ausgang gehen will, sagt die Dirigent zu ihr freundlich &#8220;Thank you.&#8221; Vielleicht habe ich ja beim n\u00e4chsten Auftritt die Chance, die Nationalhymne zu singen. Total unpatriotisch nat\u00fcrlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich erz\u00e4hle, dass ich einem estnischen Chor beigetreten bin, ziehen die meisten Leute die falschen Schl\u00fcsse. &#8220;Oh, du kannst also singen?&#8221; Nein, kann ich nicht. Zumindest kann ich nicht richtig Noten lesen und auch keine Tonleitern singen. Und im Texte merken bin ich auch nicht sonderlich gut. 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